
„Trainer im Sturm“
Führung, Psychologie
und Menschlichkeit
im modernen Sport
Ein Buch über Menschen, Entscheidungen und die Kunst, inmitten des Aufruhrs ruhig zu bleiben
- Autor: Tonči Drušković
- ISBN: 978-3-9829132-0-9
- Erscheinungsjahr: 2026
- Einband: Softcover / Taschenbuch
Worum geht es in diesem Buch?
Heute Trainer im Sport zu sein, bedeutet, im Zentrum eines permanenten Sturms zu stehen – eines Sturms aus Erwartungen, Ergebnissen, Emotionen und ständigen Veränderungen.
Wer in diesem Buch taktische Schemata oder Spielzüge erwartet, wird enttäuscht sein.
Dieses Buch verbindet psychologisches Fachwissen, das im Sport
unmittelbar anwendbar ist, mit konkreten Erfahrungen aus
Umkleidekabinen, Bussen, Flugzeugen, Hotelgängen und
Besprechungsräumen.
Für wen ist dieses Buch geschrieben?
⚬ Für Handball- & Sporttrainer: Vom Nachwuchs- bis zum Profibereich, die praktische Werkzeuge für die Teamführung suchen.
⚬ Für Führungskräfte im Business: Die lernen möchten, wie man Teams unter extremem Leistungsdruck und in Krisenzeiten führt.
⚬ Für Sportverantwortliche & Eltern: Die Einblicke in die psychologische Dynamik hinter den Kulissen des Leistungssports gewinnen wollen.
Die 6 Kapitel im Überblick
Hier stellen

Kapitel 1:
Grundlagen des Verständnisses
Psychologische Werkzeuge für den Alltag: Kommunikation, emotionale Intelligenz, Führungsstile, Stressregulation und Vertrauen.

Kapitel 2:
Beziehungen nach oben & außen
Umgang mit Vereinsführung, Medien, Fans und der eigenen Familie („Der unsichtbare Passagier“).

Kapitel 3:
Beziehungen nach unten & zur Seite
Wo Handball wirklich stattfindet: Rollenverständnis mit Assistenten, Spielern und Eltern.

Kapitel 4:
Der Trainer im Spiegel
Ich als Instrument: Integration aller Rollen, emotionale Hygiene, innerer Dialog, Trigger und Werte.

Kapitel 5:
Trainer im Sturm
Stabilität in einer Welt voller Unruhe: Entscheidungen in der Unsicherheit, kognitive Distanz und Authentizität.

Kapitel 6:
Trainer und Zukunft
Wandel des Spiels, der Trainer als Entwicklungspädagoge, Mentoring und das Vermächtnis, das bleibt.
📖 Leseprobe aus dem Buch:
„Jingle Bells in der Wüste“
Heiligabend. In unserem Haus roch es nach Tanne und Plätzchen, nach etwas, das von weit her kam - aus der Kindheit, aus der Heimat, aus den Bräuchen, die man mit sich trägt, wohin man auch geht. Meine Frau deckte den Tisch, die Kinder warteten ungeduldig auf den Abend, und ich schaute, wie immer, verstohlen auf mein Handy. Nicht wegen der Arbeit. Aus Gewohnheit. Wegen jener ständigen Anspannung, die nicht nachlässt, nicht einmal an Heiligabend.
Gegen vier Uhr nachmittags klingelte es. Auf dem Bildschirm erschien ein Name, den ich nicht erwartet hatte. „Ali - Anführer der Fans“. Die größte, lauteste, leidenschaftlichste Gruppe des Landes. Diejenigen, die pfeifen können, wenn es nötig ist,aber auch Mannschaft tragen, wenn die Spieler nachlassen. Diejenigen, vor denen jeder Schiedsrichter zittert, und auch so mancher Trainer.
Ich meldete mich mit einer gewissen Vorsicht.
„Coach, Sie müssen kurz rauskommen. Kommen Sie in unser Café.“ Die Stimme war ruhig, fast feierlich. Ich wusste, dass dies der Ort war, an dem sie sich trafen, wo sie planten, wo sie für den Verein lebten. Und sie wussten, welcher Tag war …
Ich zögerte ein wenig. Es ist Heiligabend. Die Familie ist da. Aber etwas in dieser Stimme sagte mir, dass ich gehen musste. Denn wenn dich Menschen, die dich täglich beobachten, die deine Siege und Niederlagen kennen, die deinem Vorgänger und dir gepfiffen haben, wenn es nicht lief – wenn dich solche Menschen an Heiligabend einladen, ist das kein gewöhnlicher Anruf.
Ich wandte mich an meine Frau - die all diese Jahre jeden Sieg und jede Niederlage mit mir getragen hat, die meinen Beruf von dem ersten Tag an verstand, als hätte sie ihn selbst gewählt. „Verzeih mir“, sagte ich leise, „ich muss kurz raus. Ich verspreche, bald zurück zu sein.“
Sie nickte nur – sie wusste längst, dass dieser Beruf keine Pausen kennt, auch nicht an Heiligabend. Als ich vor dem Café ankam, blieb ich stehen. Es waren viel mehr Leute da als sonst. Sie standen davor, warteten. Durch das Fenster sah man das Gedränge. Und als ich näher kam, drang Gesang durch die Tür.
„Jingle Bells, Jingle Bells, …“
Ich traute meinen Ohren nicht.
Ich trat ein. Über hundert Menschen, in Vereinsfarben gekleidet, standen im Halbkreis. Aus den Lautsprechern erklang „Oh, wie schön ist eine Fahrt in der Weihnachtszeit …“
Jemand reichte mir die Hand, jemand klopfte mir auf die Schulter. Auf dem Tisch stand eine Torte. Darauf stand in großen Buchstaben: „Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr“.
Neben der Torte lagen kleine Geschenke. Eingepackt, sorgfältig ausgewählt. Für meine Kinder. Für meine Frau.
Und heute, während ich dies schreibe, schnürt es mir die Kehle zu …
In einem Land, in dem Weihnachten nicht gefeiert wird, in dem es nur ein weiterer Arbeitstag ist – diese Menschen, diese Fans, diese Masse, die sonst schreit, flucht, fordert, protestiert - sie empfingen mich mit „Jingle Bells“. Und mit einer Torte. Und mit Geschenken für meine Liebsten. Sie empfingen mich nicht als Trainer. Sie empfingen mich als Menschen. Als jemanden, der, nun ja, zufällig in ihrem Land, in ihrem Verein gelandet war und der an diesem Tag etwas Eigenes mit sich trug – etwas, das sie nicht verstehen mussten, aber respektierten.
Ich setzte mich, trank einen Kaffee mit ihnen. Wir schnitten die Torte an. Sie fragten mich nicht nach Taktik, nach dem Spiel, nach
Niederlagen. Sie fragten mich nicht, warum dieser Tag für mich wichtig war. Sie waren einfach da. Und sahen mich an, wie man
jemanden ansieht, den man sich auf eine seltsame Weise angeeignet hat. Jemanden, der Teil deines Alltags geworden ist, obwohl er eine andere Sprache spricht, obwohl er von woanders herkommt, obwohl er nicht an dasselbe glaubt.
Als ich ging, sagte einer von ihnen, Ali, der mich auch eingeladen hatte: „Coach, du bist unser. Und deine Familie ist unsere. Deshalb haben wir das gemacht.“
Ich trat hinaus, die Wüstenluft war kalt, und in mir brannte ein Feuer, das ich nicht beschreiben kann.
Als ich nach Hause kam, sah mich meine Frau nur an. Die Kinder kamen angelaufen, öffneten die Geschenke, fragten, wer sie geschickt habe. Ich sagte: „Menschen, mit denen ich arbeite. Menschen, die uns ins Herz geschlossen haben.“ Ich fügte nicht hinzu, was ich dachte: Menschen, die mich daran erinnert haben, dass es in diesem Beruf nicht nur um Ergebnisse geht.
An diesem Abend, während wir am Tisch saßen, während die Kinder die Glöckchenlieder summten, die sie irgendwo aufgeschnappt hatten, begriff ich etwas. Das Vermächtnis, das du hinterlässt, misst sich nicht an Trophäen. Es misst sich nicht an Siegen oder Niederlagen.
Es misst sich an solchen Momenten. Momenten, in denen Menschen, die völlig anders sind als du, dich mit einem Lied aus deiner Heimat empfangen, mit einer Torte, auf der Frohe Weihnachten steht, mit Geschenken für deine Kinder - und mit der Botschaft, dass es keine Grenzen gibt, wo Respekt ist. Denn am Ende sind wir weder Kroaten noch Araber, weder Christen
noch Muslime, weder Trainer noch Fans. Wir sind, am Ende, nur Menschen, die einander, in einem bestimmten Moment, wichtig
geworden sind.
Und so begriff ich an diesem Abend, auf dem Heimweg mit Geschenken für meine Liebsten, etwas, das mir kein Buch hätte sagen können: Ein Vermächtnis baust du nicht mit Trophäen oder Siegen. Es misst sich nicht an Statistiken und bleibt nicht durch Ergebnisse in Erinnerung. Vermächtnis sind die Momente, in denen Menschen, die völlig anders sind als du, dich mit „Jingle Bells, Jingle Bells, klingt es weit und breit“ empfangen. Wenn sie dich als einen der Ihren erkennen - nicht für das, was du
erreicht hast, sondern für das, was du bist. Diese Menschen erinnerten sich nicht an meine taktischen Ideen. Sie erinnerten sich nicht an Tore oder Paraden. Sie erinnerten sich daran, dass ich da war - an Heiligabend, in ihrem Café, bei ihnen. Und dass ich, trotz aller Unterschiede, ich selbst geblieben war. Das ist es, was bleibt, wenn du gehst.
Denn am Ende, wenn die Halle leer ist und die Stimmen von den Rängen verstummt sind - das, was bleibt, sind die Menschen, die du berührt hast. Und die Art und Weise, wie du es getan hast.
Tonči Drušković, aus „Trainer im Sturm“
📖 Leseprobe aus dem Buch:
Emotionale Hygiene - der innere
Wartungsplan
Der Trainer arbeitet in einem Beruf, der ständig Emotionen erzeugt: Druck, Freude, Frustration, Stolz, Angst, Erleichterung,
Wut, Enttäuschung, Hoffnung. Diese Emotionen verschwinden nicht einfach, wenn das Training endet oder die Halle sich leert.
Sie setzen sich ab - im Körper, im Kopf, im Verhalten. Sie werden zu Spannungen, die sich entladen müssen, oder zu Müdigkeit, die sich ansammelt.
Emotionale Hygiene bedeutet, ein bewusstes Verhältnis zu diesen inneren Zuständen zu entwickeln. So wie ein Sportler seinen Körper pflegt, die Elastizität der Muskeln erhält, Verletzungen vorbeugt und sich nach Anstrengung regeneriert, so braucht auch der Trainer Rituale, die seine emotionale Stabilität schützen und erneuern. Denn ein Trainer, der seine inneren Räume vernachlässigt, verliert mit der Zeit nicht nur Energie, sondern auch Klarheit - jene innere Schärfe, die im entscheidenden Moment den Unterschied macht. Emotionale Hygiene ist deshalb kein Akt der Selbstfürsorge im privaten Sinne, sondern ein professionelles Werkzeug, das die Qualität der täglichen Entscheidungen beeinflusst. Sie schfft Distanz zu impulsiven Reaktionen und ermöglicht es, Situationen mit einem ruhigeren Blick zu betrachten. Und dieser ruhige Blick ist oft das Einzige, was zwischen Eskalation und Führung steht.
Emotionale Hygiene, ein Begriff, den Guy Winch (2013) in der Psychologie stark vertritt, ist kein Luxus, den wir uns in ruhigen
Zeiten gönnen. Winch zeigt, dass wir emotionale Verletzungen genauso ernst nehmen müssen wie körperliche – sonst rächen sie sich im falschen Moment. Für den Trainer heißt das: Wer seine eigene emotionale Hygiene vernachlässigt, wird irgendwann auf dem Feld oder in der Kabine unkontrolliert reagieren. Sie ist eine Überlebensstrategie für Zeiten, in denen der Druck am
größten ist. Ein Trainer, der gelernt hat, mit seinen Emotionen zu arbeiten, wird in der Krise nicht zerbrechen, sondern durchhalten. Er wird nicht von jeder Welle erfasst, sondern bleibt aufrecht, auch wenn das Wasser steigt. Und er erkennt früher, wann er selbst zur Gefahr für die eigene Mannschaft werden könnte – nicht durch mangelndes Wissen, sondern durch innere
Erschöpfung. In der Praxis haben sich folgende Werkzeuge als nützlich erwiesen.
Regelmäßige Reflexion – eine kurze tägliche Rückschau von ein paar Minuten: Was war heute gut? Was war der Auslöser? Welche Situation hat mich aus dem Gleichgewicht gebracht? Was hätte ich anders machen können? Diese Reflexion kann still im Kopf, in einem Notizbuch oder im Gespräch mit einer Vertrauensperson stattfinden. Wichtig ist die Regelmäßigkeit, nicht die Form. Mit der Zeit entsteht dadurch ein inneres Archiv, ein persönliches Logbuch, das Muster sichtbar macht, die man im Alltag leicht übersieht. Und wer seine Muster kennt, kann sie verändern, bevor sie ihn bestimmen.
Emotionales Entladen – Emotionen, die nicht abgelassen werden, setzen sich ab. Ein Spaziergang nach dem Spiel, ein paar kräftige Schritte an der frischen Luft, laute Musik im Auto oder ein offenes Wort mit einem Freund, der nichts mit Handball zu
tun hat – all das sind kleine Ventile, die verhindern, dass sich der innere Druck in unbedachten Ausbrüchen oder stiller
Verbitterung festsetzt. Oft reicht schon ein kurzer Moment der Bewegung oder Stille, um den inneren Nebel zu vertreiben. Der Körper weiß, wie er Spannung abbaut – man muss ihm nur die Gelegenheit geben.
Bewusste Grenzen – Man muss nicht auf jede Nachricht sofort antworten. Nicht jeder Anruf erfordert eine sofortige Reaktion. Nicht jeder Konflikt muss noch in derselben Nacht gelöst werden. Ein Trainer, der lernt, Grenzen zu setzen - zeitliche, emotionale, kommunikative –, schützt sich vor dem Gefühl, 24 Stunden am Tag verfügbar sein zu müssen. Grenzen sind kein Zeichen von Distanz, sondern von Professionalität. Sie schffen Raum, in dem Entscheidungen reifen können, anstatt im Affekt getroffen zu werden.
Zonen ohne Handball – Momente, in denen der Trainer nicht Trainer ist, sondern nur Mensch. Ein Abend mit der Familie ohne Handy. Ein Wochenende, an dem der Sport bewusst ausgeschaltet wird. Ein Hobby, das nichts mit der Halle zu tun hat. Diese Zonen sind keine „Zeitverschwendung“, sondern, wie die Forscher für Spitzenleistungen Jim Loehr und Tony Schwartz (2003) betonen, notwendige Räume der Regeneration, die es uns ermöglichen, mit vollen Batterien auf das Feld zurückzukehren. In diesen Momenten entsteht jene innere Ruhe, die später im Sturm trägt. Wer sich erlaubt, Mensch zu sein, kann im richtigen Moment wieder Trainer sein – klar, präsent und belastbar.
Der Körper sendet früh Signale, wenn die emotionale Belastung zu groß wird. Schlafstörungen, Verspannungen, häufige Infekte,
Verdauungsprobleme, ständige Müdigkeit - all das sind Warnlichter, die der Trainer nicht ignorieren darf. Wer diese Signale früh erkennt und ernst nimmt, kann handeln bevor der Körper gewaltsam eine Pause erzwingt. Eine kurze Auszeit, ein verlängertes Wochenende, ein bewusst genommener Tag zur Erholung – das sind keine Zeichen von Schwäche, sondern von Klugheit. Ein Trainer, der sich selbst erschöpft, wird bald niemanden mehr führen können. Denn Führung beginnt nicht bei der Mannschaft, sondern beim eigenen Zustand. Wer innerlich stabil ist, führt leiser, klarer und nachhaltiger – und bleibt länger im Beruf, ohne sich selbst zu verlieren.
Emotionale Hygiene ist nicht nur ein inneres Aufräumen, sondern ein stiller Schutz vor dem, was Trainer selten laut aussprechen:
dem schleichenden Ausbrennen. Burnout beginnt selten mit einem großen Zusammenbruch; er beginnt leise – mit kleinen Rissen, mit einer Müdigkeit, die bleibt, mit einer Freude, die langsam verstummt. Wer seine inneren Räume pflegt, erkennt diese Risse früher. Wer reflektiert, entlädt, Grenzen setzt und sich Momente ohne Handball erlaubt, verhindert, dass aus Erschöpfung eine dauerhafte Leere wird.
Emotionale Hygiene ist deshalb mehr als Selbstfürsorge; sie ist ein professioneller Anker, der den Trainer im Sturm hält. Denn nur
wer innerlich ganz bleibt, kann andere durch die Wellen führen - klar, ruhig und ohne sich selbst zu verlieren.
Tonči Drušković, aus „Trainer im Sturm“





